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Datenschutz

KI und ChatGPT im Unternehmen einführen: Datenschutz, Richtlinie und Schatten-KI

Von Beata Gurshal, Softwareentwicklerin

6 Min. Lesezeit
KI im Unternehmen sicher nutzen: Mitarbeiterin bewertet die Ausgabe eines KI-Assistenten am Laptop, Fokus auf Datenschutz und Kontrolle

Ob KI ins Unternehmen gehört, muss niemand mehr entscheiden. Sie ist schon da. Mitarbeitende lassen sich E-Mails vorformulieren, lange Dokumente zusammenfassen oder eine Excel-Formel erklären, und zwar oft über ein privates ChatGPT-Konto, von dem die Geschäftsführung nichts weiß und das niemand im Unternehmen verwaltet.

Die eigentliche Aufgabe ist also, den Einsatz so zu regeln, dass er nützt und keine Daten abfließen. Dieser Ratgeber zeigt, wo das Risiko liegt, warum ein Verbot wenig bringt und wie eine Einführung aussieht, die auch einer Datenschutzprüfung standhält.

Wo das Risiko wirklich liegt

Gefährlich wird KI durch das, was man hineinkopiert. Ein Kundenvertrag, eine Liste mit Bewerbungen, ein Arztbrief: Wer so etwas in ein öffentliches Werkzeug einfügt, um es kürzen zu lassen, gibt die Daten aus der Hand. Bei kostenlosen Privatkonten ist häufig nicht ausgeschlossen, dass Eingaben zur Verbesserung der Modelle verwendet werden. Und selbst wenn nicht: Wo die Daten liegen und wer darauf zugreifen kann, steuert das Unternehmen dann nicht mehr.

Für die DSGVO ist das ein Problem. Personenbezogene Daten dürfen nur dann an einen externen Dienstleister gehen, wenn es dafür eine Rechtsgrundlage gibt und die Verarbeitung vertraglich abgesichert ist, und einen solchen Vertrag bietet ein privates Gratis-Konto nicht. Manche Berufe trifft es doppelt. Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Kanzleien unterliegen zusätzlich der Schweigepflicht. Landen Patienten- oder Mandantendaten in einem öffentlichen Chatbot, ist das auch berufsrechtlich heikel. Was beim Umgang mit personenbezogenen Daten grundsätzlich gilt, fasst unsere DSGVO-Checkliste für Unternehmen zusammen.

Schatten-KI: Nutzung, die keiner sieht

Schatten-KI meint Werkzeuge, die im Betrieb laufen, ohne dass die IT davon weiß. Das private ChatGPT-Konto gehört dazu, die Browser-Erweiterung mit Zugriff aufs Postfach, das Übersetzungsportal, durch das vertrauliche Verträge wandern. Böse Absicht steckt selten dahinter. Die Werkzeuge sparen schlicht Zeit, und solange es keinen offiziellen Weg gibt, greifen die Leute zu dem, was sie privat schon kennen.

Ein Verbot ändert daran wenig. Die Nutzung geht weiter, nur heimlicher, und Fragen stellt dann niemand mehr. Das Unternehmen verliert so den Nutzen und den Überblick zugleich. Wirksamer ist ein offizieller Zugang, der so einfach funktioniert, dass der Umweg übers Privatkonto überflüssig wird.

ChatGPT gratis oder Business-Version?

Der wichtigste Unterschied verläuft zwischen kostenlosen Privatkonten und den Tarifen für Unternehmen. Bei privaten Gratis-Zugängen ist oft nicht ausgeschlossen, dass Eingaben ins Training einfließen. Business- und Enterprise-Tarife schließen das vertraglich aus. Sie bieten außerdem einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, teilweise eine Datenverarbeitung in der EU und eine zentrale Verwaltung, über die sich Konten anlegen und wieder sperren lassen.

Wer ohnehin mit Microsoft 365 arbeitet, sollte sich Microsoft Copilot ansehen, denn er verarbeitet die Daten innerhalb des eigenen Microsoft-365-Mandanten und nutzt sie nicht zum Training der allgemeinen Modelle. Welche Vorarbeit für den Start nötig ist, beschreibt der Ratgeber zu Microsoft Copilot im Mittelstand.

Für alle Anbieter gilt dasselbe. Was mit Ihren Daten passiert, regeln der Vertrag und der gewählte Tarif. Die Werbeseite des Anbieters ist dafür keine Grundlage.

Drei Bausteine für eine sichere Einführung

Eine eigene KI-Abteilung brauchen Sie nicht. Drei Dinge reichen, wenn sie zusammenpassen:

  • Eine kurze KI-Richtlinie. Sie regelt, welche Werkzeuge erlaubt sind, welche Daten hinein dürfen und an wen man sich bei Fragen wendet. Je kürzer sie ist, desto eher wird sie gelesen.
  • Ein freigegebenes Werkzeug. Eine offizielle Lösung mit Geschäftstarif und Auftragsverarbeitungsvertrag ersetzt die vielen privaten Konten.
  • Eine Schulung. Wer weiß, dass eine KI-Antwort überzeugend klingen und trotzdem falsch sein kann, prüft genauer. Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt beim Menschen.

Muster: die KI-Richtlinie auf einer Seite

Eine KI-Richtlinie muss kein Juristendokument sein. Für kleine und mittlere Betriebe reicht oft eine Seite mit diesen sechs Punkten:

  1. Zweck: Wofür KI im Betrieb genutzt werden darf, etwa für Textentwürfe, Zusammenfassungen und Recherche.
  2. Freigegebene Werkzeuge: namentlich aufgeführt, mit Hinweis auf den Firmenzugang. Private Konten sind für Firmendaten tabu.
  3. Verbotene Daten: personenbezogene Daten von Kunden, Patienten oder Beschäftigten, Passwörter und Zugangsdaten, vertrauliche Verträge und Geschäftszahlen.
  4. Prüfpflicht: KI-Ergebnisse werden vor der Verwendung inhaltlich geprüft. Nach außen gehen sie erst, wenn ein Mensch sie freigegeben hat.
  5. Ansprechpartner: wer Fragen beantwortet und wohin Fehler oder Vorfälle gemeldet werden.
  6. Schulung: wann neue Mitarbeitende eingewiesen werden und wie oft die Regeln aufgefrischt werden.

Diese Gliederung dient der Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Wo es einen Betriebsrat gibt, sollte er früh dabei sein. Die Einführung von KI-Werkzeugen kann mitbestimmungspflichtig sein.

Wofür KI im Alltag taugt

Richtig eingesetzt spart KI echte Zeit. Stark ist sie bei Textentwürfen und Umformulierungen, beim Zusammenfassen langer Dokumente, beim Erklären komplizierter Sachverhalte und beim Ordnen unübersichtlicher Informationen. Die Arbeitsteilung bleibt dabei klar. Die KI macht einen Vorschlag, entscheiden muss der Mensch.

Noch mehr bringt KI, wenn sie direkt in Abläufe eingebunden ist und nicht als Chatfenster nebenher läuft. Ein Beispiel: Eingehende Anfragen werden automatisch vorsortiert und an die zuständige Stelle weitergeleitet. Wo der Unterschied zwischen klassischer Automatisierung und KI-Agenten liegt, zeigt der Ratgeber zu RPA, Workflow und KI-Agenten. Die Umsetzung im Betrieb begleitet unser Bereich KI-Agenten.

Auch Angreifer nutzen KI

Die Technik hilft nicht nur Ihnen. Phishing-Mails sind heute fehlerfrei geschrieben und oft auf den Empfänger zugeschnitten. Manche Betrüger rufen sogar mit der nachgeahmten Stimme der Chefin an und verlangen eine dringende Überweisung. Rechtschreibfehler und holprige Sätze taugen als Warnzeichen kaum noch.

Technische Schutzmaßnahmen bleiben wichtig. Noch wichtiger werden Mitarbeitende, die wissen, dass eine perfekte Mail nichts beweist und dass ungewöhnliche Zahlungsanweisungen über einen zweiten Kanal bestätigt werden, etwa per Rückruf unter der bekannten Nummer. Wie zeitgemäßer Schutz aussieht, erklärt der Ratgeber zum Phishing-Schutz im Unternehmen.

Praxen und Kanzleien: strengere Maßstäbe

Wo Berufsgeheimnisse im Spiel sind, liegt die Messlatte höher. Patientendaten aus Arzt- und Zahnarztpraxen gehören nicht in öffentliche KI-Werkzeuge, Mandantendaten aus Kanzleien ebenso wenig. Nutzbar ist KI dort trotzdem, etwa für allgemeine Texte, Aushänge, Stellenanzeigen oder interne Abläufe, in denen keine geschützten Daten vorkommen. Wie wir Praxen bei solchen Fragen unterstützen, zeigt der Bereich IT für Arzt- und Zahnarztpraxen.

Rechtlich kommt die KI-Verordnung der EU hinzu, der AI Act. Je nach Einsatzzweck bringt sie abgestufte Pflichten mit sich. Für die meisten Betriebe stehen dabei Transparenz und ein verantwortungsvoller Umgang im Vordergrund, also genau das, was eine gute Richtlinie ohnehin festhält.

So starten Sie

Die Einführung ist in wenigen Wochen machbar:

  1. Bestand aufnehmen: Fragen Sie offen, wer welche Werkzeuge nutzt. Ohne Vorwürfe, sonst bleibt die Schatten-KI im Verborgenen.
  2. Richtlinie aufschreiben: eine Seite nach dem Muster oben.
  3. Werkzeug freigeben: eine Lösung mit Geschäftstarif und AV-Vertrag einrichten.
  4. Team schulen: kurz und konkret, mit Beispielen aus dem eigenen Arbeitsalltag.

Bei Werkzeugauswahl, Datenschutz und der Einbindung in Ihre Abläufe unterstützt unser Consulting & Digitalisierung. Um die technische Absicherung kümmert sich der Bereich IT-Sicherheit.

KI ist ein Werkzeug wie andere auch. Wie viel sie bringt, hängt davon ab, wie bewusst ein Unternehmen sie einsetzt. Wer den Einsatz regelt, statt ihn zu ignorieren oder zu verbieten, hat am Ende beides: produktivere Mitarbeitende und Daten, die dort bleiben, wo sie hingehören.

FAQ

Häufige Fragen.

Sollten wir KI-Tools im Unternehmen verbieten?

Ein Verbot wirkt sicher, bewirkt aber oft das Gegenteil. Die Mitarbeitenden nutzen die Werkzeuge dann heimlich über private Konten, und niemand weiß mehr, welche Daten wohin gehen. Besser ist ein offizieller Weg: ein freigegebenes Werkzeug mit klaren Regeln. So bleibt der Nutzen im Haus, und Sie behalten die Kontrolle.

Darf ich Kundendaten in ChatGPT eingeben?

In kostenlose Privatkonten gehören keine personenbezogenen oder vertraulichen Daten, weil nicht ausgeschlossen ist, dass die Eingaben weiterverwendet werden. Business- und Enterprise-Tarife schließen das Training mit Ihren Daten vertraglich aus und bieten einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Erst dann kommt eine Verarbeitung überhaupt in Frage. Patienten- und Mandantendaten sollten auch dort im Zweifel draußen bleiben.

Was unterscheidet das kostenlose ChatGPT von der Business-Version?

Vor allem drei Punkte. Bei privaten Gratis-Konten können Eingaben ins Training einfließen, Geschäftstarife schließen das aus. Nur mit Geschäftstarif gibt es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, teils mit Datenverarbeitung in der EU. Und die Konten lassen sich zentral anlegen, steuern und sperren. Für den Einsatz im Betrieb ist das die Mindestanforderung.

Brauchen wir eine KI-Richtlinie, auch als kleiner Betrieb?

Ja, und eine Seite genügt. Darauf steht, welche Werkzeuge freigegeben sind, welche Daten hinein dürfen und welche nie, und wer bei Fragen hilft. Das nimmt den Mitarbeitenden die Unsicherheit und verhindert riskante Alleingänge. Gibt es einen Betriebsrat, binden Sie ihn früh ein, denn die Einführung von KI-Werkzeugen kann mitbestimmungspflichtig sein.

Macht KI unser Unternehmen angreifbarer?

KI verändert die Bedrohungslage. Angreifer schreiben damit fehlerfreie, persönlich zugeschnittene Phishing-Mails und imitieren sogar Stimmen am Telefon. Die bekannten Warnzeichen wie schlechtes Deutsch fallen weg. Schutz entsteht deshalb aus Technik und aus geschulten Mitarbeitenden, die auch einer perfekt formulierten Nachricht nicht blind vertrauen.

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