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n8n, Make oder Power Automate? Der ehrliche Vergleich für den Mittelstand

Von Beata Gurshal, Softwareentwicklerin

4 Min. Lesezeit
Automatisierungs-Tools im Vergleich: Fachkraft bewertet n8n, Make und Power Automate nebeneinander am großen Bildschirm

Wer Abläufe automatisieren will, steht früh vor der Werkzeugfrage: Power Automate, Make oder n8n? Alle drei versprechen, Programme zu verbinden und Routinearbeit abzunehmen — und alle drei halten das auch. Trotzdem unterscheiden sie sich deutlich: im Ökosystem, in der Flexibilität und vor allem darin, wo Ihre Daten verarbeitet werden. Dieser Vergleich ordnet die drei Plattformen ein — aus der Praxis, ohne Herstellerbrille.

Die drei Plattformen im Kurzporträt

Power Automate: der Microsoft-Standard

Power Automate gehört zu Microsoft und ist eng mit Microsoft 365 verzahnt. Wer ohnehin mit Outlook, Teams, SharePoint und Excel arbeitet, bekommt hier Automatisierung direkt im gewohnten Umfeld: Genehmigungsabläufe, Benachrichtigungen, Dateiablage — vieles ist mit wenigen Klicks eingerichtet. Neben den Cloud-Abläufen gibt es Desktop-Flows, die Klickarbeit am Rechner aufzeichnen und wiederholen.

Die Kehrseite: Außerhalb der Microsoft-Welt wird es schnell zäh. Anbindungen an Nicht-Microsoft-Systeme sind möglich, fühlen sich aber oft wie Fremdkörper an, und die Lizenzlogik ist erklärungsbedürftig.

Make: der visuelle Baukasten

Make (früher Integromat) ist ein Cloud-Dienst mit einem ausgesprochen anschaulichen visuellen Editor: Module werden auf einer Fläche verbunden, der Datenfluss ist sichtbar, Verzweigungen und Filter sind schnell gebaut. Die Stärke liegt in der Breite — Make bindet eine sehr große Zahl von Web-Anwendungen an und eignet sich gut, wenn viele verschiedene Cloud-Tools zusammenarbeiten sollen.

Make ist ein europäischer Anbieter, läuft aber ausschließlich als Cloud-Dienst: Die Daten fließen bei jeder Ausführung durch die Infrastruktur des Anbieters.

n8n: quelloffen und selbst betreibbar

n8n ist quelloffen und das einzige der drei Werkzeuge, das sich vollständig auf eigener Infrastruktur betreiben lässt. Ein selbst gehostetes n8n läuft auf einem Server Ihrer Wahl — etwa in einem deutschen Rechenzentrum. Die automatisierten Daten verlassen diese Umgebung nicht. Fachlich ist n8n sehr flexibel: Neben fertigen Anbindungen lassen sich eigene Logik und Code-Schritte einbauen, was komplexe oder ungewöhnliche Abläufe möglich macht.

Der Preis dafür ist Verantwortung: Ein selbst gehostetes System will installiert, aktualisiert, gesichert und überwacht werden — von Ihnen oder einem Dienstleister.

Der Vergleich entlang der Fragen, die wirklich zählen

Welche Systeme sollen verbunden werden?

  • Überwiegend Microsoft 365: Power Automate ist der natürliche Kandidat — kurze Wege, vertraute Oberfläche.
  • Viele verschiedene Cloud-Tools: Make spielt seine Anbindungsbreite aus.
  • Eigene Systeme, Datenbanken, Speziallösungen: n8n bietet die größte Freiheit, auch dort anzudocken, wo es keinen fertigen Baustein gibt.

Wo fließen die Daten — und wie sensibel sind sie?

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Bei Make und Power Automate laufen die Daten jeder Ausführung durch die Cloud des Anbieters. Das ist DSGVO-konform machbar — mit Auftragsverarbeitungsvertrag, bewusst gewählter Speicherregion und sauber konfigurierten Zugriffsrechten. Es bleibt aber eine Datenweitergabe an einen Dritten, die dokumentiert und verantwortet werden muss.

Ein selbst gehostetes n8n dreht das Modell um: Die Daten bleiben auf Ihrer Infrastruktur, es gibt keinen externen Verarbeiter für den Automatisierungs-Datenfluss. Für Abläufe mit Personal-, Patienten- oder Mandantendaten ist das ein grundsätzlicher Vorteil — und oft das Argument, das die Entscheidung dreht. Die Verantwortung für Betrieb und Absicherung des Servers gehört dann allerdings ebenso ehrlich in die Rechnung.

Wie viel Flexibilität brauchen die Abläufe?

Einfache Wenn-dann-Ketten können alle drei. Sobald Abläufe verzweigen, Daten umgeformt oder Fehlerfälle sauber behandelt werden müssen, zeigt sich der Unterschied: n8n erlaubt eigene Code-Schritte und feine Kontrolle, Make bleibt visuell komfortabel, Power Automate stößt außerhalb seiner Standardfälle am ehesten an Grenzen.

Wer betreibt das Ganze?

Cloud-Dienste nehmen Ihnen den Betrieb ab — dafür geben Sie Kontrolle ab. Self-Hosting gibt Ihnen die Kontrolle — dafür übernehmen Sie den Betrieb. Diese Abwägung ist keine technische, sondern eine organisatorische: Wer hält das System aktuell, wer merkt, wenn ein Ablauf hängt, wer stellt nach einem Ausfall wieder her? Ohne Antwort auf diese Fragen wird jede Plattform zum Risiko.

Unsere Praxis-Sicht: es gibt kein bestes Tool

Nach vielen Automatisierungsprojekten ist unsere Antwort auf die Werkzeugfrage unspektakulär: Es kommt auf Systeme und Datenschutz an. Im Microsoft-Umfeld automatisieren wir mit Power Automate, für breite App-Anbindung nutzen wir Make — und wenn Daten die EU beziehungsweise das eigene Haus nicht verlassen sollen, betreiben wir n8n selbst gehostet. Genau in dieser Reihenfolge entscheidet sich das in den meisten Projekten.

Wichtiger als die Plattform ist der Zuschnitt: Ein sauber dokumentierter Ablauf auf dem „zweitbesten” Werkzeug schlägt jede unkoordinierte Sammlung von Einzellösungen. Welche Abläufe sich überhaupt lohnen, zeigt der Ratgeber Welche Prozesse automatisieren? — und wie sich RPA, Workflows und KI-Agenten unterscheiden, erklärt der Beitrag RPA, Workflow oder KI-Agent?.

Entscheidungshilfe in vier Sätzen

  • Power Automate, wenn Ihre Welt Microsoft 365 ist und die Abläufe dort bleiben.
  • Make, wenn viele verschiedene Cloud-Anwendungen zusammenspielen sollen und die Daten unkritisch sind.
  • n8n self-hosted, wenn sensible Daten im Spiel sind, Abläufe komplex werden oder Sie grundsätzlich Wert auf Datenhoheit legen.
  • Eine Kombination, wenn unterschiedliche Abläufe unterschiedliche Anforderungen haben — das ist häufiger der Fall, als man denkt.

Fazit

Die Werkzeugfrage ist wichtig, aber sie ist die zweite Frage. Die erste lautet: Welche Abläufe kosten Sie heute Zeit, und welche Daten fließen dabei? Wer das beantwortet hat, wählt die Plattform in wenigen Minuten — und zwar die, die zu Systemen und Schutzbedarf passt, nicht die mit dem lautesten Marketing.

Lota Engineering berät herstellerunabhängig und betreibt alle drei Plattformen in Kundenprojekten — von der Workflow-Automatisierung über die Anbindung von Schnittstellen bis zum laufenden Betrieb als Managed Automation. Ob sich Ihre Abläufe für eine Automatisierung eignen, klärt unser kostenloser Automatisierungs-Check — oder Sie melden sich direkt über das Kontaktformular.

FAQ

Häufige Fragen.

Was unterscheidet n8n, Make und Power Automate grundsätzlich?

Alle drei verbinden Programme und automatisieren Abläufe ohne klassische Programmierung. Power Automate ist Teil des Microsoft-Ökosystems, Make ist ein visueller Cloud-Baukasten mit sehr breiter App-Anbindung, und n8n ist quelloffen und lässt sich auf eigener Infrastruktur betreiben — die Daten bleiben dann vollständig im Haus.

Welches Tool ist am besten für den Datenschutz?

Die größte Kontrolle bietet ein selbst gehostetes n8n, weil die verarbeiteten Daten den eigenen Server nicht verlassen. Make und Power Automate lassen sich ebenfalls datenschutzkonform einsetzen — dann laufen die Daten aber über die Cloud des Anbieters, und es braucht einen Auftragsverarbeitungsvertrag sowie passend gewählte Speicherorte.

Brauche ich für n8n eigene Server?

Für die selbst gehostete Variante ja — n8n läuft dann zum Beispiel auf einem Server in einem deutschen Rechenzentrum oder im eigenen Haus. Den Betrieb (Updates, Sicherung, Überwachung) muss jemand verantworten. Wer das nicht selbst leisten will, lässt die Umgebung von einem Dienstleister betreiben.

Kann ich mehrere dieser Tools parallel einsetzen?

Ja, das ist sogar üblich. Viele Unternehmen automatisieren Microsoft-interne Abläufe mit Power Automate und nutzen für Prozesse mit sensiblen Daten ein selbst gehostetes n8n. Entscheidend ist, dass die Abläufe dokumentiert sind und nicht zwei Werkzeuge unkoordiniert dasselbe tun.

Wie finde ich heraus, welches Tool zu uns passt?

Über zwei Fragen: Welche Systeme sollen verbunden werden, und wie sensibel sind die Daten, die durch die Automatisierung fließen? Aus den Antworten ergibt sich die Wahl meist von selbst. Eine kurze Bestandsaufnahme der Abläufe und Systeme schafft die Grundlage für eine belastbare Entscheidung.

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